Demo anfragen

today365 › Ratgeber › Werkzeug & Material

WERKZEUG & MATERIAL

Werkzeugverwaltung: Wo das Werkzeug wirklich verschwindet

Die dritte verschwundene Akkumaschine in einem Jahr fühlt sich nach Diebstahl an. In den meisten Betrieben ist sie es nicht. Werkzeug verschwindet an den Übergängen: beim Baustellenwechsel, beim kurzen Ausleihen ohne Notiz, im Bus eines Kollegen, der seit drei Wochen im Urlaub ist. Wer den Schwund stoppen will, braucht deshalb keine Überwachung, sondern eine klare Antwort auf eine einzige Frage: Wer hat es zuletzt gehabt? Und weil dieselbe Liste auch die Prüffristen nach DGUV Vorschrift 3 trägt, lohnt sie doppelt.

Von Vi Barnd Duong · Stand 28. September 2026

Die drei Stellen, an denen Werkzeug abhandenkommt

  1. Der Baustellenwechsel. Abends wird zusammengepackt, was greifbar ist. Was im Container bleibt, gehört ab morgen niemandem mehr.
  2. Die kurze Leihe. „Gib mir mal die Stichsäge“ ist keine Übergabe, sondern ein Gedächtnisposten. Nach zwei Wochen erinnert sich niemand.
  3. Fremde auf der Baustelle. Subunternehmer, Bauherren, Lieferanten: Ohne Zuordnung lässt sich hinterher nicht einmal sagen, ob überhaupt etwas fehlt oder ob das Gerät in der Werkstatt steht.

Alle drei Fälle haben dasselbe Muster: Nicht das Gerät ist das Problem, sondern die fehlende Spur. Eine Werkzeugverwaltung, die nur eine Inventarliste führt, löst davon nichts. Sie muss die Ausgabe an eine Person abbilden, und zwar so schnell, dass es im Alltag auch gemacht wird.

Was das System können muss

  • Ausgeben und zurücknehmen in Sekunden. Etikett scannen, Name antippen, fertig. Dauert es länger als der Griff ins Regal, wird es umgangen.
  • Am Handy bedienbar, auch ohne Netz. Im Keller und im Rohbau gibt es keinen Empfang. Die Erfassung muss offline laufen und später nachsenden.
  • Jedes Gerät mit eigener Nummer. „Bohrhammer“ reicht nicht, wenn vier davon im Betrieb sind. Erst die Einzelnummer macht die Historie möglich.
  • Prüffristen am selben Datensatz. Wer die Geräteliste ohnehin pflegt, sollte die nächste Prüfung dort sehen und nicht in einer zweiten Tabelle.
  • Wunschliste statt Zuruf. Fehlt etwas oder ist es defekt, gehört das in dieselbe Liste und von dort auf die Einkaufsliste. Im Werkzeug-Modul von today365 wandert ein gemeldeter Wunsch direkt in die Aufgabenverwaltung, statt in einer Sprachnachricht zu versanden.

Etiketten: QR, NFC oder Gravur

ArtStückpreisTaugt fürSchwäche
QR-Aufkleber (Polyester)ca. 10–30 ctfast alles, sofort startklarlöst sich bei Öl und Hitze, lässt sich abziehen
NFC-Markeca. 30 ct–1 €Handschuhe, Dunkelheit, schneller als Scannennicht auf Metall ohne Spezialmarke, ältere Geräte lesen nicht
Gravur oder Prägeschildab ca. 1 €teure Maschinen, DiebstahlschutzAufwand, keine Automatik beim Erfassen

Der pragmatische Weg für den Anfang: QR-Aufkleber auf alles ab etwa 150 Euro Wert, zusätzlich Gravur auf die fünf teuersten Maschinen. NFC lohnt erst, wenn täglich viele Übergaben anfallen. Preise sind Richtwerte von September 2026 und schwanken mit der Menge.

Der unterschätzte Nebennutzen: Prüffristen

Elektrische Betriebsmittel müssen wiederkehrend geprüft werden. Die Grundlage ist die Betriebssicherheitsverordnung, die Praxis richtet sich nach DGUV Vorschrift 3 und der DGUV Information 203-071. Die Fristen hängen von Gerät und Einsatz ab; für ortsveränderliche Geräte auf Baustellen sind kurze Abstände üblich, für Geräte im Büro deutlich längere. Verbindlich festgelegt wird das über die Gefährdungsbeurteilung, nicht über eine Faustregel.

Der Punkt für die Werkzeugverwaltung ist ein praktischer: Die Liste der Geräte existiert dann ohnehin schon. Wenn das Prüfdatum am selben Datensatz hängt, entsteht die Prüfliste für den Elektrofachbetrieb per Knopfdruck, statt vor dem Termin zusammengesucht zu werden. Für Elektrobetriebe ist genau das der Kern des Themas, siehe Handwerkersoftware für Elektrobetriebe.

Einführung: ein Samstag reicht

  1. Grenze festlegen. Alles ab einem Wert von 150 Euro kommt in die Liste, darunter nicht. Sonst erfassen Sie Zollstöcke und verlieren die Geduld.
  2. Zu zweit durch Werkstatt und Busse. Einer klebt und fotografiert, einer tippt. Etwa 100 Geräte schafft man so an einem Vormittag.
  3. Ausgabe ab Montag verbindlich. Wer etwas mitnimmt, scannt. Ohne diese Regel bleibt die Liste ein Inventar, das nach drei Monaten nicht mehr stimmt.
  4. Nach vier Wochen ehrlich nachsehen. Welche Geräte stehen immer noch auf „ausgegeben“, obwohl sie im Regal liegen? Das zeigt, wo die Rückgabe zu umständlich ist.

Der Nutzen zeigt sich meist nicht als eingespartes Geld, sondern als gesparte Suchzeit und als vermiedene Doppelkäufe. Wer weiß, dass der zweite Bohrhammer im Bus von Kollege B liegt, kauft keinen dritten.

Häufige Fragen

Ab welchem Wert lohnt sich die Erfassung?

Eine bewährte Grenze sind etwa 150 Euro Anschaffungswert. Darunter übersteigt der Erfassungsaufwand den Nutzen, darüber lohnt die Spur, wer das Gerät zuletzt hatte. Ausnahme sind Geräte mit Prüfpflicht: Die gehören unabhängig vom Wert in die Liste.

Reicht eine Excel-Tabelle für die Werkzeugverwaltung?

Für eine reine Bestandsliste ja. Sobald es um Ausgabe und Rückgabe geht, scheitert Excel an der Praxis: Niemand öffnet auf der Baustelle eine Tabelle, zwei Leute können nicht gleichzeitig ändern, und eine Historie entsteht nicht. Für die Inventur taugt Excel, für den Alltag nicht.

QR-Code oder NFC — was ist besser?

QR ist billiger, sofort startklar und funktioniert mit jedem Handy. NFC ist schneller und klappt mit Handschuhen und im Dunkeln, kostet aber mehr und braucht auf Metall Spezialmarken. Die meisten Betriebe fahren mit QR gut und rüsten NFC nur dort nach, wo täglich viele Übergaben anfallen.

Wie oft müssen Elektrowerkzeuge geprüft werden?

Das legt die Gefährdungsbeurteilung nach Betriebssicherheitsverordnung fest; als Orientierung dienen DGUV Vorschrift 3 und die DGUV Information 203-071. Für ortsveränderliche Geräte auf Baustellen sind kurze Abstände üblich, im Büro deutlich längere. Eine pauschale Frist für alle Geräte gibt es nicht — sie sollte mit der Fachkraft für Arbeitssicherheit festgelegt werden.

Hilft Werkzeugverwaltung gegen Diebstahl?

Indirekt. Die Software verhindert keinen Einbruch, aber sie beantwortet die Frage, ob überhaupt etwas fehlt und wer zuletzt zuständig war. Das allein senkt den Schwund spürbar, weil eine nachvollziehbare Übergabe die Sorglosigkeit beendet. Gegen echten Diebstahl helfen Gravur, GPS-Marken bei Großgeräten und die Versicherung.

Was kostet eine Werkzeugverwaltung?

Die Etiketten liegen im Cent- bis Ein-Euro-Bereich je Gerät. Bei der Software reicht die Spanne von kostenlosen Listen bis zu Lösungen mit Preis je Benutzer und Monat. Der größere Posten ist die Ersterfassung: Rechnen Sie mit etwa einem halben Tag zu zweit für 100 Geräte.

Werkzeug ausgeben und zurücknehmen am Handy, Prüffristen am selben Datensatz, Wunschliste direkt in den Einkauf:

Module ansehen

Dieser Beitrag erklärt die Rechtslage allgemein und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Stand 28. September 2026; Gesetze und Rechtsprechung können sich ändern.